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Herkunft, Entwicklung, Evaluation, Inhalt, TeilnehmerInnnen, das Besondere an STEP


Frage: Wozu brauchen Eltern einen Kurs – kann man nicht einfach aus dem `Bauch heraus´  erziehen?
Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld, der auch die Evaluation des STEP Programms übernommen hat, `fände Elterntraining für alle gut...Kinder brauchen Orientierung und Eltern können das `Beziehungshandwerk´ erlernen.`... `Erziehung ist schwieriger geworden, denn die heutigen Eltern sind stärker abgelenkt und sie sind längst nicht mehr die einzigen Umweltvermittler. Die Stärke von STEP ist, dass das Programm ganz besonders bemüht ist, keine aufgesetzte Erziehungstechnologie zu vermitteln, sondern den eigenen Stil der Eltern gelten lässt und sie anleitet, sich einfach Muster anzueignen, ohne Details vorzuschreiben. ´ (Zitate: Westfälische Rundschau,12.5.03).

 Frage: Ist das Konzept wissenschaftlich fundiert?
STEP ist in den USA führend unter fast 600 Elterntrainings. Mit über 60 wissenschaftlichen Studien ist es auch das am häufigsten evaluierte Programm. Der Erfolg des STEP Programms in verschiedenen Gesellschaftsschichten wurde durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Untersuchungsmethoden gemessen und erwiesen. Schon nach kurzer Zeit sind bedeutsame, positive Veränderungen in den Familien eingetreten: respektvollerer Umgang miteinander, Einfühlsamkeit bzgl. der Kinder, Reduzierung von Stress,  erhöhte Selbsteinschätzung von Eltern und Kindern, vermindertes Fehlverhalten der Kinder, verbessertes Funktionieren der Familie, das sowohl von den Eltern und Kindern selbst, als auch von anderen bemerkt wurde.

In Deutschland fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Evaluation im Rahmen der Präventionsforschung. Prof.Klaus Hurrelmann von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld, leitet die Evaluation, die interdisziplinär von einem Team aus Psychologen, Pädagogen und Soziologen durchgeführt wird.

 Frage: Ist ein Erziehungskonzept aus den USA auch in Deutschland sinnvoll?
STEP kommt als Programm aus den USA und basiert auf der Individualpsychologie A. Adlers und den Forschungsergebnissen seines bedeutendsten Schülers, des Psychiaters und Psychologen Prof. Dr. Rudolf Dreikurs (`Kinder fordern uns heraus´). Beide wurden in Wien geboren und sind in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in die USA ausgewandert. Das Menschenbild, der Grundgedanke von STEP, der Gleichwertigkeit von Eltern und Kindern als würdige Menschen im respektvollen Umgang miteinander ist  kulturell unabhängig, solange es sich um demokratische Gesellschaftsformen handelt.

 Frage: Dressiert STEP Eltern ein stereotypes Verhalten an den Tag zu legen?
STEP vermittelt keine Patentrezepte. Die Eltern lernen, wie sie das Verhalten der Kinder aus einer neuen Perspektive verstehen und bewusst ihre Reaktion und ihre Haltung ändern können. Dabei spielen die Individualität des Kindes, sowie die eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen und die Erziehungsziele der jeweiligen Eltern eine große Rolle.

 Frage: Richten sich die STEP Kurse in erster Linie an Eltern von verhaltensgestörten Problemkindern?
Als grundsätzlich präventives Training unterstützt STEP  Eltern bei alltäglichen Erziehungsproblemen. STEP dient allen Eltern, die durch Erziehung erreichen wollen, dass ihre Kinder kooperativ, respektvoll, selbstbewusst, verantwortungsvoll und glücklich sind. STEP stärkt die Erziehungskompetenz, fördert die Verantwortungsbereitschaft und hilft Eltern, die das Ziel haben, ein kooperatives, stressfreieres Zusammenleben in der Familie zu erreichen und eine dauerhafte, starke Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Selbstverständlich ist STEP auch für Pädagog/innen und Erzieher/innen geeignet, die stressfreiere, sinnvolle Disziplin im täglichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen erreichen möchten.

Durch die strukturierte, systematische Elternarbeit leistet STEP außerdem Therapeuten wertvolle Hilfe bei  der Arbeit mit Kindern. Veränderungswilligen Eltern, Erziehern, Lehrern und pädagogischen Fachkräften bietet STEP Unterstützung bei größeren Erziehungsproblemen - in der Familie, im Kindergarten, in der Schule und in der Erziehungshilfe.

Frage: Ist es notwendig, dass beide Elternteile an einem STEP Kurs teilnehmen?
Im Idealfall besuchen beide Elternteile ein STEP Elterntraining. Wenn dies nicht möglich ist, ist es nützlich, wenn der/die jenige der/die nicht dabei ist, das Elternbuch parallel zum Verlauf des Kurses liest und evtl. das Elternvideo hinzuzieht, so dass beide Eltern eine bessere Chance haben, den  gleichen Erziehungsstil zu praktizieren. Wenn die Eltern dennoch zu unterschiedlichen Erziehungsstilen neigen, ist es auf jeden Fall notwendig, dass die Eltern einander nicht  kritisieren und sich nicht gegenseitig blockieren. Laut der Autoren des STEP Trainings können Kinder mit unterschiedlichen Erziehungsstilen der Eltern ebenso zurechtkommen wie mit unterschiedlichen Sprachen, solange die Eltern in ihrer Haltung konsequent sind und einander mit Toleranz und Respekt begegnen.

Frage:  Eignet sich STEP auch für Alleinerziehende und Patchworkfamilien?
Selbstverständlich. Denn auch in einer Familie mit beiden Elternteilen übernimmt nach STEP jeder die Verantwortung für seinen Part in der Erziehung. Nicht alle Paare ziehen an einem Strang – trotzdem kann jeder an der Erziehung Beteiligte wirksam verantwortlich handeln.

 Frage: Weshalb muss das Training 10 Wochen dauern? Geht es nicht kürzer?
Diese Zeit ist nicht nur notwendig, weil ein umfassendes Konzept vermittelt wird, sondern auch, weil Selbstreflexion Zeit braucht und noch mehr die Umsetzung des Gelernten zu Hause. Es ist wichtig, dass die Eltern immer wieder – 10 Wochen lang – von Ihren Erlebnissen zu Hause (von guten wie den weniger guten)  im Kurs berichten können und in und mit der Gruppe gemeinsam daran arbeiten. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass die Eltern ab dem dritten Treffen besondere durch den fortlaufenden Gruppenprozess profitieren, weil das Vertrauen zueinander entsprechend gewachsen ist.

Frage: Was sind typische Erziehungsprobleme der Kursteilnehmer/innen?
Natürlich sind die Probleme vom Alter der Kinder abhängig: Bei kleinen Kindern geht es z.B. um die Routine am Morgen, während des Tages und am Abend, um Zähneputzen, den Umgang im Kindergarten und auf dem Spielplatz. Bei Schulkindern möchten die Eltern, dass die Kinder die Verantwortung für ihre Hausaufgaben übernehmen, sich mehr im Haushalt beteiligen und dass sie Abmachungen einhalten. Oft beklagen Eltern den mangelnden Respekt ihrer Kinder im Umgang mit ihnen. Die Eltern möchten weg vom ewigen Nörgeln, Zank, Streit und Geschrei. Sie wollen gehört werden und ihre Kinder besser verstehen, kurz eine bessere Beziehung zu den Kindern haben. Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, sie wissen nur oft nicht wie und da setzt STEP an.

Frage: Wie läuft ein STEP Elternkurs ab?
In den zehn zwei- bis zweieinhalbstündigenTreffen lernen die Eltern das STEP Konzept Schritt für Schritt kennen. Selbstreflexion ermöglicht es den Eltern, ihre eigenen Gefühle besser wahrzunehmen und ihren Kindern gegenüber eine positive Haltung einzunehmen. Die neuen Erziehungsfertigkeiten und die dazu passende Haltung werden in denTrainingsvideos beispielhaft deutlich; sie werden in Rollenspielen geübt und können so besser erfasst und zu Hause umgesetzt werden. Unter Anleitung des Kursleiters werden möglichst viele Beispiele aus dem Alltag der Eltern in der Gruppe gemeinsam bearbeitet. Die Eltern erkennen, dass sie mit ihren ganz persönlichen Herausforderungen nicht alleine sind. Die Teilnehmer/innen ermutigen und unterstützen einander durch Erfahrungsaustausch.

Frage: Was unterscheidet STEP von anderen Elterntrainingsprogrammen?
1) In den STEP Kursen lernen die Eltern nicht nur Fertigkeiten, sonder wie sie die Balance finden zwischen Freiräume gewähren und Grenzen setzen, wie sie gleichzeitig freundlich und bestimmt sein und richtig kommunizieren können und dadurch Modell und Vorbild für konfliktfähige und verantwortungsbewusste Menschen sein können. Durch Wertschätzung, respektvollen Umgang und Ermutigung bauen sie auch eine dauerhafte, erfüllende und freudvolle Beziehung zu ihren Kindern auf. 

2) Bei STEP geht es nicht um Patentrezepte, sondern sowohl die Individualität des Kindes als auch die Wertvorstellungen und Überzeugungen der Familie werden respektiert. Dadurch, dass die Eltern erkennen, dass jedes Kind, das Fehlverhalten zeigt, dazugehören möchte, fällt es ihnen leichter, die jeweilige Situation aus einem positiven Blickwinkel zu betrachten, eine andere, nämlich eine liebevoll-konsequente Haltung zu ihrem Kind einzunehmen und auf dieser Basis anders als erwartet zu reagieren.

3) Inhaltlich unterscheidet sich STEP z.B. von Triple P dadurch, dass die Eltern im STEP Kurs lernen, auf Belohnung (kein Punktesystem, sondern Ermutigung) und vor allem auf Strafe als Erziehungsmittel zu verzichten.  Anstelle von Strafe lassen die Eltern, Konsequenzen folgen, so dass die Kinder die Chance haben, aus ihren Fehlern - und dadurch Selbstdisziplin - zu lernen. Entscheidend ist dabei die Haltung der Eltern (freundlich und bestimmt), dass die Konsequenz sich auf das Fehlverhalten bezieht und dass die Eltern zwischen Tat und Täter unterscheiden. 

Bei STEP lernen die Eltern systematisch – aufgrund von vier gezielten Fragen – zu entscheiden, ob es sich beim jeweils vorliegenden Problem um ihr  Problem oder dasihres Kindes handelt. Eine große Erleichterung für die meisten Eltern.

Im Gegensatz zu anderen Elterntrainings lernen die Eltern tagtäglich zwischen Lob und Ermutigung zu unterscheiden, verstärkt zu ermutigen und dadurch die Stärken und in der Folge natürlich das Selbstvertrauen  ihrer Kinder zu fördern.

4)  STEP zeichnet sich außerdem durch einen systematischen, klarstrukturierten Aufbau und einfache Sprache aus, wodurch das Programm beim Umsetzen im Alltag leicht erinnerbar und damit sofort umsetzbar wird  und auch als niederschwelliger Ansatz geeignet ist. Die Eltern lernen in dem 10wöchigen STEP Kurs Schritt für Schritt durch die Änderung der Perspektive, die Ermutigung der Gruppe und im Erfahrungsaustausch mit den anderen Teilnehmern ihr Verhalten zu reflektieren, im Kurs die Wirkung veränderten Verhaltens zu erfahren und im Alltag – zu Hause – praktisch - umzusetzen. Das STEP Konzept bleibt das gleiche unabhängig davon, ob die Eltern dem bildungsgewohnten Mittelstand angehören oder nicht gewohnt sind zu lesen. Die Trainingsvideos sind so konzipiert, dass das STEP Konzept auch ohne Buch erarbeitet werden kann. Die Kursleiter/innen stellen sich mit ihrer Methode STEP zu vermitteln auf die Eltern ein.

Frage: Für welche Altersgruppen von Kindern ist STEP geeignet?
Die STEP Kurse werden differenziert nach Alter der Kinder angeboten. Es gibt Kurse für Eltern von kleinen Kindern (0-6 Jahre), für Eltern von 6 bis 12 Jährigen oder für Eltern von Teenagern (13-18 Jahre).
Der STEP Kurs, der auf dem Buch "STEP Das Elternbuch, Kinder ab 6 Jahre" basiert, ist grundsätzlich für alle Altersgruppen geeignet. Eltern lernen Prinzipien und Fertigkeiten und Haltung, mit denen sie den Herausforderungen des Alltags mit Kindern aller Altersgruppen begegnen können. Die Kursleiter/Innen der STEP Elternkurse berücksichtigen die Altersstruktur der Kinder der Eltern in der jeweiligen Gruppe, so dass spezifische Aspekte jeder Altersstufe Beachtung finden. Spezielles Trainingsmaterial für Eltern von kleinen Kindern bzw. von Teenagern wird den Eltern zusätzlich zur Verfügung gestellt.
Der STEP Kurs, bei dem "STEP Das Elternbuch, Die ersten 6 Jahre" benutzt wird, ist auf die Bedürfnisse der Eltern von kleinen Kindern (0 - 6 Jahren) zugeschnitten. Informationen über die Entwicklung des Kindes in den ersten 6 Lebensjahren (Baby, Kleinkind und Vorschulkind) und Prinzipien der Individualpsychologie sind in diesem Kurs integriert. Die ersten Kurse speziell für Eltern von kleinen Kindern haben im Herbst 2002 stattgefunden. Das Elternbuch ist seit September 2004 im Buchhandel erhältlich.
Eltern von Teenagern können seit Herbst  2005 in Deutschland bundesweit an speziellen Kursen für diese Altersgruppe teilnehmen und in der Schweiz und in Österreich seit 2006. Gibt es regional keinen speziellen Kurs für diese Altersgruppe, dann sind Eltern von Teenagern im STEP Kurs für Eltern von Kindern aller Altersgruppen gut aufgehoben - zusätzliches Material steht den zertifizierten STEP Kursleitern/Innen des InSTEP Trainernetzwerks bereits zur Verfügung.

 Frage: Können auch ausländische Mitbürger/innen an einem STEP Kurs teilnehmen?
Es gibt STEP Trainer/innen, die STEP Kurse z.B. speziell für Kurden oder Polen anbieten.  STEP hat in diesem Fall auch integrative Funktion, denn die Eltern lernen nicht nur demokratische Richtlinien für die Erziehung ihrer Kinder, sondern auch die Grundprinzipien für das demokratische Leben in ihrer Wahlheimat.

 Frage: Gibt es Grenzen für den Einsatz, die Wirksamkeit von STEP Elternkursen?
STEP ist nicht geeignet für Eltern, die von der Einnahme von Drogen (Alkohol, Medikamente etc.) abhängig sind. Um einen STEP Kurs mit Erfolg besuchen zu können, raten wir zuvor einen Entzug durchzuführen.
STEP ist ein Training. Die Eltern lernen dazu, sie lernen sich zu verändern. Wo dies alleine nicht zum gewünschten Ergebnis führt, empfehlen wir eine Familientherapie. STEP wirkt dann als Brücke oder Sprungbrett, um weitere Hilfe für sich und die Familie in Anspruch zu nehmen. Der die Therapie begleitende Besuch eines STEP Kurses ist dennoch wünschens- und empfehlenswert, weil er die Eltern handlungsfähig macht bzw. erhält.

 Frage: Wenn Eltern einen STEP Kurs besucht haben und gerne mit STEP weitermachen möchten – was können sie tun?
Die Eltern haben nach Ablauf des Kurses die Möglichkeit, zu monatlichen sog. Elterntreffs zu kommen, um am Ball zu bleiben. Bei "Elterntreffs" berichten die Eltern oft mit Freude über die positiven Entwicklungen in ihrer Familie. Sie vertiefen ihre STEP Fertigkeiten, holen sich Rat und Ermutigung und gegenseitige Unterstützung von der Gruppe und - nicht zuletzt - verbringen eine anregende Zeit des Austausches und der gemeinsamen Freude über persönliche Entwicklungen mit Menschen, die sie inzwischen gut kennen und schätzen gelernt haben. Eine Verhaltensänderung kann nicht in kurzer Zeit vonstatten gehen und dauerhaft auch nicht durch Patentrezepte erreicht werden. Bei STEP handelt es sich um einen schrittweisen Prozess, der Zeit braucht und Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit von den Eltern fordert - für sie selbst und ihre Kinder.
Die Elterntreffs sind gleichzeitig auch eine Überbrückung bis STEP Der Aufbaukurs, "Der nächste Schritt", erscheint. Dieser Kurs hilft Eltern, die im ersten STEP Kurs erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten weiter zu verinnerlichen und das Selbstvertrauen zu stärken, das sie bei der Bewältigung von Herausforderungen brauchen, die das Familienleben täglich an sie stellt. Diese STEP Aufbaukurse sind für 2010 geplant.

 Frage: Was können Eltern tun, wenn sie gerne einen STEP Elternkurs besuchen würden und in ihrer näheren Umgebung noch kein Kurs angeboten wird?
Sie können sich selbst helfen, indem Sie Freunde oder Bekannte, die in sozialen Berufen tätig sind und die erforderlichen Qualifikationen vorweisen, auf unsere STEP Kursleiterseminare hinweisen. In 3 - 6 Monaten kann dann ein Kurs in Ihrer Nähe stattfinden.